Aug 16 2010

Aus den Augen – aus dem Meer

Tag: AllgemeinJoerg @ 00:01

Es ist noch nicht allzu lange her, da schaute alle Welt zum Golf vom Mexiko und wunderte sich, dass ein kleines Unternehmen mit einem Jahresumsatz von lächerlichen 239 Milliarden US-Dollar (oder etwa 187348 Millionen Euro) knapp 90 Tage lang nicht in der Lage ist, ein handelsübliches Rohr abzudichten, aus dem ein wenig Öl sprudelt.
Dann allerdings geschah ein Wunder denn BP setzte kurz und schmerzlos ein fix zusammengeschustertes Stück Blech drauf und das Thema war gegessen – vor allem auch für die Presse, denn seit diesem Zeitpunkt sieht, liest und hört man offiziell nichts mehr davon.

Nun mag es sicherlich die meisten Leute nicht weiter wundern, denn schließlich ist ja das Loch dicht und das Öl löst sich von selbst auf und alles ist wieder gut – kein Grund also, sich die neuesten Schlagzeilen mit alten Ölkatastrophen zu versauen.

Was wäre aber, wenn es eben noch nicht vorbei ist, sondern weiterhin außer Kontrolle und die ganze Golfregion vor einer Katastrophe nie gekannten Ausmaßes steht, deren Auswirkungen auch die restliche Welt empfindlich treffen wird?
Blödsinn? Paranoia? Panikmache? Vielleicht, wenn ich der einzige wäre.
Aber zum Glück gibt es ja das Internet (das die Politiker nur allzu gern zensieren möchten) und man findet dort Informationen, die nicht in großen Tageszeitungen stehen.

Vor allem berichtet niemand (mehr) über die riesige Menge Methan, die große Teile des Meeresbodens im Golf von Mexiko kollabieren lassen und damit Tsunamis nie gekannten Ausmaßes erzeugen könnte, welche dann wiederum sämtliche Küstengebiete des Golfs nicht nur mit Wasser, sondern mit einer eher ungesunden Mischung aus Wasser, Öl und giftigen Dispersionsmitteln wegspülen würde. (Wer das überlebt, kann sich übrigens schonmal Gedanken machen, wie man mit Methan in der Atemluft umgeht).

Ursprünglich hatte ich vor, hier ein Litanei von Links zu diesem Thema zu posten, möchte mich aber jetzt nur darauf beschränken, ein paar Fragen zu stellen.

Wieviele Bohrlöcher gehören zur Deepwater Horizon und welches davon durften wir uns monatelang im Fernsehen ansehen?
Wieso darf sich kein Zivilist den Ölbarrieren (auch am Strand) unter Androhung einer mehrjährigen Freiheitsstrafe (!) nähern?
Hat man sich zur Bekämpfung der Ölschäden für den Gefahrstoff Corexit entschieden, weil es bei gleicher Giftigkeit deutlich weniger wirksam ist als Konkurrenzprodukte oder weil beim Hersteller die Firma BP im Aufsichtsrat sitzt?
Wer glaubt eigentlich, dass von den (offiziellen) 780 Millionen Liter Öl inzwischen nichts mehr da ist und warum konnte man dieses Phänomen bei bisherigen Ölkatastrophen nicht beobachten?

Wie Spaß beim selber recherchieren.